. . .

Der Zeitglockenturm und sein astronomisches Werk 3
© Maja Kaeser/Uhrmacherschule Solothurn


Ausgefallene Turmuhren in Bern und Solothurn
.

 

Anmerkung:
Dieser Artikel ist im Rahmen der Ausbildung an der
Uhrmacherschule Solothurn (auch Zeit-Zentrum genannt) entstanden und beinhaltet eine Beschreibung des Zeitglockenturms von Bern sowie Untersuchungen zum Uhrwerk der astronomischen Uhr im Zeitglockenturm von Solothurn, welcher weniger bekannt ist als der weltberühmten 'Zytglogge' in Berns Altstadt, aber trotzdem ein interessantes Uhrwerk und ein sehenswertes Uhrenspiel besitzt. Geschrieben hat den Artikel Maja Kaeser, die 1998 ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.
 

Dieser von Maja Kaeser übernommene Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Herbert Schmon bezüglich der Texte und Abbildung jetzt aktuell in 6/2005 korrigiert.  Herbert Schmon hat darüber hinaus einige seiner Bilder des Zytglogge-Turms in Bern zur Verfügung gestellt. Zum Fotoshooting ist er extra mit dem ersten Frühzug nach Bern gefahren, denn die entsprechende Fassade ist nur am früheren Vormittag von der Sonne beschienen. Insofern bitte ich sein Copyright zu beachten. Bei Bilderwünschen bitte Herbert direkt anfragen.

Gleichzeitig wurde von http://www.g26.ch/berninfo_zeitglockenturm.html einige Texte zum Berner Turm übernommen und der Artikel damit ergänzt. Ich denke, dass ist durchaus im Sinne von Bern - der Hauptstadt mit Charme.

 

zu Turmuhren
zu Sammler-Ecke
Home Hanse

.


Die Astronomische Uhr in Solothurn

solothurn1.jpg (17984 Byte)


Zeitglockenturm

Der Zeitgloggen-Turm ist das älteste Bauwerk der Stadt. Erbaut in der ersten Hälfte des 12. Jh. 1467 Aufbau des Uhrengeschosses, 1545 astronomisches Uhrwerk mit dem berühmten astronomischen Zifferblatt. Darunter sehen wir eine Figurengruppe: Ritter, Tod und in der Mitte ein «Mannli», den Narrenkönig. Seit 1545 dreht der Sensenmann zu jeder vollen Stunde sein Zeitglas. «Das Mass ist voll» nickt sein kahler Schädel dem Ritter zu, der Symbolfigur kraftvollen Lebens. Das Werk wurde vom Schaffhauser Uhrmacher Joachim Habrecht gebaut. Darunter begegnen wir den beiden Stadtpatronen Urs und Viktor aus dem Jahre 1583.

pfeil_o.gif (59 Byte)


Einführung

Uhren, die nicht nur die normale Tageszeit angeben, sondern auch noch ein astronomisches Zifferblatt haben auf dem der Sonnen- und Mondstand veranschaulicht werden nennt man auch Kunstuhren. Die Zeit in der solche Uhren erbaut wurden liegt hinter uns. Es war etwa im 15. Und 16. Jahrhundert, aks unsere Vorfahren mit einfachsten Mitteln diese Kunstuhren schufen. Heute zählen diese Werke als Wahrzeichen von hohem Werte. Die Kunstuhren stellen also auf möglichst einfache und verständlich, die Erscheinungen dar, welche der Zeitrechnung im weiteren sinne zu Grunde liegen. Dies sind die Zeitarten, die Bewegungen der Himmelskörper und die Mondphasen. Diese Uhren sind nicht das Werk eines Einzelnen, sondern wenn Revisionen, Reparaturen oder Restaurationen vorkamen, mussten Mathematiker, Astronomen und Uhrmacher zusammen arbeiten. Damit aber eine Kunstuhr eine Kunstuhr ist, sind auch die architektonischen und figürlichen Beigaben wichtig. Ohne diese Zusätze würde eine solche Uhr nur als mathematisches Anschauungsmittel funktionieren und nicht als Kunstwerk bestehen. Ebenfalls wichtig bei der astronomischen Uhr, ist eine klare und übersichtliche Verteilung der darzustellenden Erscheinungen. Bei unserer Zeitglocke, ist ein astronomisches Zifferblatt vollkommen ausreichend, da nur der Umlauf der Sonne und der des Mondes in den Tierkreiszeichen veranschaulicht wird.

pfeil_o.gif (59 Byte)

 


Mathematische Richtigstellung

Die astronomische Uhr am Solothurner Zeitglockenturm weist folgende Fehler auf. Vergleicht man den Lauf der Sonne mit dem des Zeigers, wird sehr bald deutlich, dass die Stellung der beiden im Tierkreis nicht übereinstimmen. Der Grund ist; die Sternbilder verschieben sich in 2151 Jahre um 30 Grad. Dies hat zur Folge, dass wenn heute Frühlingsanfang ist, der Sonnenzeiger wie normal im Zeichen des Widders steht, jedoch sich die Sonne erst im Zeichen der Fische befindet. Die Verschiebung findet also gegen den Lauf des Zeigers statt. Die Uebersetzung für die Bewegung des Sonnenzeigers:

8/48 * 8/16 * 12/30 * 8/24 * 18/73 = 1/365

Der Sonnenzeiger macht somit in 365 Tagen einen Umlauf auf dem astronomischen Zifferblatt. Die Differenz zum tropischen Jahr beträgt folglich: 365,242198-365=0,242198 Tage. Um diesen Betrag geht also der Sonnenzeiger pro Umlauf zu schnell. Erst in: 365,242198 /0,242198 = 1508,03 Umläufen zeigt er wieder richtig. Das sind also 1508 Jahre und 11 Tage. Hieraus ergibt sich: 1508,03/12 = 45869 Tage = 125 Jahre und 244 Tage, die vergehen, bis der Zeiger der Sonne um ein Tierkreiszeichen voraus ist. Ebenso ergeht es dem Mondzeiger. Jedoch ist letzterer im Rückstand gegenüber dem Mond. Für den Antrieb des Mondzeigers ist folgende Uebersetzung nötig:

8/48 * 8/16 * 25/57 = 1/27,36

Der Mondzeiger macht also in 27,36 Tagen einen Umgang. Der Mond durchläuft die 12 Stemzeichen in einem tropischen Monat. Ein tropischer Monat ist die Zeit, die der Mond braucht, um wieder in die Ausgangslage zu gelangen. Ein tropischer Monat dauert 27,321581 mittlere Sonnentage, beziehungsweise: 27 Tage 7 Stunden 43 Minuten und 5 Sekunden. Demnach beträgt die Differenz: 27,36-27.321581 = 0,038419 Tage = 55 Min 19,4 Sec Der Mondzeiger braucht also 55 Minuten und 19,4 Sekunden länger für einen Umgang als die Umlaufzeit des Mondes um die Erde. Daher erfordert es: 27,321581 / 0,038419 = 711.15 Umdrehungen oder 711,15*27,36 = 19457 Tage, das entspricht 53 Jahren und 112 Tagen, damit der Mondzeiger wieder mit dem Mond übereinstimmt. Der Mondzeiger bleibt in: 19457 / 12 = 1621 = 4 Jahre und ll6 Tagen bereits wieder um ein Tierkreiszeichen zurück.

 

pfeil_o.gif (59 Byte)

 

zu Top
zu Turmuhren
zu Sammler-Ecke
Home Hanse